Offline

Es wird still werden
Ich schließe dieses Tor zur Welt
Für eine Weile

Ich will mein Glück offline wagen
Verborgene Arbeit tun
Wir werden uns wiedersehen

Zwischenzeitlich?
Loslassen, Atmen
Hundertfünfzig Gedichte lesen

 

© Friederike Hermanni, 2018

Ankunft

Ich lasse den Wind hinter mir
um zurückzukehren
in meinen Garten
wo der trockene Sommer
die Bäume schon färbt

Ich verlasse die kühle See
um einzutauchen
in den örtlichen Teich
wo die Sonnenmilch
schlierengleich glänzt

Ich tausche die Zeit
der eindeutigen Zweiheit
mit meinem einzigen Kind
um mich wieder der Stadt
den Menschen hinzugeben

Affenbrotbaum und Linde
übernehmen meinen Schutz

 

© Friederike Hermanni, 2018

Wind II

Es ist schwer
den gewaltigen Wind
mit Worten zu zähmen
Er lässt sich nicht einfangen
mit meinen bunten Tüten
Ist nicht zu greifen
für meine salzigen Hände
Aber es gibt Gewissheit
Er verlässt mich nie
hier auf der Insel
meinem Bild von Zuhause

 

© Friederike Hermanni, 2018

Wind I

Sonnengewalt
Ein Strandfest zu zweit
Der Strandkorb für Individualisten
Sand in den Ritzen
Und drumherum
Ein Derwisch von Wind
Der immer da ist
Der den Sand tanzt
Ich kann ihn nicht greifen
Mit  meinen gegerbten Händen

 

© Friederike Hermanni, 2018

Es gibt nur eine Antwort

Bin ich ein Ich?
Mir selbst ein Selbst?
Kind meiner Ahnen?
Person, ein Körper, todgeweiht?
Im Besitz von Identität?
Gesicherter Außengrenzen?

Bin ich ein Mensch für euch?
Die Mutter, Freundin, Geliebte?
Ein Gegenüber?
Eine Fremde?

Oder gänzlich Teil von euch?
Spiegel des Alls um uns?
Glänzendes Abbild der Sterne?
Guckloch für Brahman?
Die Seele auf ewig?
Trennungslos?

Es gibt nur eine Antwort
Wir alle sind eins
Bald acht Milliarden mal Gott
Tendenz steigend
Pflanzen, Tiere, Steine
noch nicht mitgerechnet

 

© Friederike Hermanni, 2018