Die Leisen

Wir finden uns
in unserer Behutsamkeit
dem Leben gegenüber

Wir träumen uns
mit unserer Langsamkeit
vom Wahnsinn fort

Die Leisen haben eine Stimme

 

© Friederike Hermanni, 2018

2 Gedanken zu “Die Leisen

  1. Hat dies auf bremerschreibstudio rebloggt und kommentierte:
    Ja, so ist es. Die Leisen müssen ihre Sanftheit erst lieben lernen, damit sie ihre Stimme erheben können. Was mich angeht, so habe ich zum Beispiel eine Kollegin, die ich sehr schätze – aber auch fürchte. Um es metaphorisch zu sagen: Sie läuft mit der Axt durch den Wald und setzt sie auch ein, während ich mich unter tiefhängenden Zweigen bücke, um sie nicht abzuknicken, an Blümchen schnuppere, statt sie zu pflücken und Schnecken aufsammle, damit sie nicht zertreten werden. Versteht mich nicht falsch: Ich fühle mich nicht als besserer Mensch, ich bin nur anders in der Welt als meine Kollegin. Sie schafft Tatsachen, wenn ich noch davon träume, einen nächsten Schritt zu tun. Um ihre Axt habe ich sie schon so manches Mal beneidet. Es täte mir sicher gut, manchmal ein bisschen lauter aufzutreten. Schreibend kann ich das üben. Meine lautlosen Worte werden gewichtiger, wenn ich sie auf Papier oder Bildschirm bringe. Vielleicht sind darum so viele Schreibende Mitglieder der leisen Fraktion. Das Laute und das Leise, beides hat seine Berechtigung. Doch nur wer leise ist, hört die Vögel zwitschern. Darum ist leise zu sein, machmal einfach viel, viel schöner.

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  2. Pingback: Die Leisen |

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