Anker

Manchmal ist es da
ist einfach plötzlich zugegen
dieses fragile Ding
manche nennen es Glück

Ich habe Angst
es zu empfangen
es könnte zerbrechen
mir entfliehen

Doch ich weiß
wo es herkommt

Aus der Liebe des Lebens
zu sich selbst
Aus dem All
das uns umfängt

und in uns ankert

 

© Friederike Hermanni, 2018

Vormittags

Ich bin aus der Zeit gefallen
ich floh aus dem Fenster
das sich mir bot

Im Garten meines Blocks
liegt frisch gemähtes Gras
ich durchstreife es barfuß

Am Wegesrand sehe ich ihn
den “Scharlachmund des Mohns“
den die Ausländerin besingt

Beim Krämer um die Ecke
gibt’s ein Lächeln gratis
der Mann ist ein hübscher

Wind in meinem Affenbrotbaum
übertönt die Heckenscheren
Und ich werde jung

Auch wenn es nicht leicht ist

 

© Friederike Hermanni, 2018